Interview mit Vitaly Friedman

TEAM23: Vitaly, du bist einer der Gründer des Smashing Magazines. Hast du dir damit deinen eigenen Traumjob geschaffen?

Vitaly: Sehr gute Frage. Für mich war das anfangs nur ein Hobby und nie als kommerzielles Projekt gedacht. Früher war das eher eine Plattform, auf der man sich als Webdesigner oder Webentwickler Informationen holen konnte. Mittlerweile kann man schon von einem Traumjob reden. Ich habe die Freiheit, das zu machen, was ich möchte. Das ist wirklich cool und ich genieße es mit den Leuten zusammen zu sein, Kontakte zu pflegen und zu erfahren, was die anderen so machen. Selber zu coden und zu gestalten habe ich sehr vermisst. Seit fünf bis sechs Jahren arbeite ich wieder aktiv in der Praxis mit. Das macht mich sehr glücklich. Mit den Teams kann ich verschiedenste, verrückte Ideen ausprobieren und daraus sehr viel lernen. Ich bin oft unterwegs, bin in Kontakt mit sehr vielen interessanten Leuten und lerne dadurch jeden Tag etwas Neues dazu.

TEAM23: Du hast vor langer Zeit mit Fabian zusammen gearbeitet. Wie war eure Zusammenarbeit?

Vitaly: Furchtbar (lacht). Nein. Wenn ich ehrlich sein soll, war das damals sehr gut und hat uns sehr geholfen. Vor allem zwischen Relaunches. Wir haben jemanden gebraucht, auf den wir uns verlassen können und das war in diesem Fall Fabian. Das ist aber bestimmt schon sieben bis acht Jahre her.

TEAM23: Neben dem Smashing Magazine setzt ihr auch verschiedene andere Projekte um. Wie beginnt ihr diese und wie schaut euer Workflow dabei aus?

Vitaly: In der Regel versuchen wir unsere Projekte mit der Atomic-Design-Methode umzusetzen. Allerdings aus Designer-Sicht. Wir bauen eher größere Module, anstatt erst ganz kleine Atome zu schaffen. Der komplette Aufbau einer Seite an sich kommt aber erst später. Wir fokussieren uns zunächst auf das, was am Wichtigsten ist – das Zentrum des Ganzen. Was ist die Kernaussage? Was wollen wir ausdrücken? Dann gestalten wir diese so gut wir können. Bei einer E-Commerce-Seite wäre das wahrscheinlich die Produkt-Detail-Seite oder der Checkout. Nicht etwa die Startseite oder eine Kategorie-Seite. Das ist wohl das Wichtigste bei unserem Workflow.

TEAM23: Bleiben wir beim Thema E-Commerce. Was glaubst du: Bleibt der E-Commerce bestehen wie er aktuell ist oder verschiebt sich das Ganze mehr in Richtung Social Media? Wird hier zukünftig der eigentliche Point-of-Sale sein?

Vitaly: Das ist ein guter Punkt. Ich glaube, wir sehen jetzt schon, dass sich Apple Pay, Amazon Pay, One-Click-Checkouts und solche Techniken immer mehr etablieren. Daher vermute ich, dass der klassische Checkout langsam verschwinden wird und wir es gewohnt sein werden von nichts auf gleich einen Kauf zu tätigen. Ob sich der E-Commerce mehr in den Social-Media-Bereich verlagern wird, ist schwierig einzuschätzen. Was man aber weiß, ist, dass viel Umsatz durch Word-of-Mouth-Marketing generiert wird – wesentlich mehr als durch Google-Werbungen oder AdSense-Anzeigen. Hier spielen die Social-Media-Kanäle eine immer zentralere Rolle. Vermutlich wird sich zunehmend eine Ära entwickeln, in der diese Form der Werbung noch essentieller wird und Empfehlungen zum Hauptinstrument des Marketings werden.

TEAM23: Wir haben von den Speakern viel über Design Patterns gehört. Google Material Design ist beispielsweise oft ein wichtiger Bezugspunkt im UI/UX-Design. Wir stellen uns die Frage, wo die eigene Kreativität bleibt und ob diese nicht verloren geht, wenn jeder immer versucht das nachzuahmen und alle Regeln einzuhalten, die einem mittlerweile vorgegeben werden. Glaubst du, dass wir uns mehr davon lösen sollten?

Vitaly: Ich glaube es gibt immer zwei Seiten. Auf der einen Seite gibt es natürlich Regeln, an die man sich halten muss. Das heißt aber nicht, dass man nicht kreativ sein kann. Man ist sogar gezwungen kreativ zu sein, wenn man gewissen Einschränkungen unterlegen ist. Frameworks schränken uns zwar in einem gewissen Grad ein, ermöglichen uns aber auch, schnell und einfach bereits vorhandene Bausteine zu nutzen. Das heißt aber nicht, dass wir sie auch nutzen müssen. Trotz der bestehenden Elemente kann man etwas Neues kreieren. Das muss nicht so langweilig wie eine normale Bootstrap-Seite sein. Wir müssen Frameworks eher als eine Umgebung, eine Sprache sehen, die wir nutzen können bevor wir sie ergänzen.

TEAM23: Aktuell können wir einen Umbruch bei der Wahl der Design-Tools beobachten. Viele Designer gehen weg von den Adobe-Produkten und suchen sich Alternativen wie Sketch. Was glaubst du wie sich das in Zukunft entwickeln wird?

Vitaly: Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass Sketch aktuell sehr wichtig ist und auch noch wichtiger werden wird. Aber auch andere Tools, wie beispielsweise Figma, fangen an sich zu etablieren. Während Sketch nur auf dem Mac läuft, läuft Figma im Webbrowser. Ich kann nicht sagen, ob Adobe zurückkommt. Aber auch sie haben Produkte, mit denen sie versuchen, gegen die Konkurrenz anzukommen. Die Hauptsache bei allen Tools ist, dass sie viele Innovationen liefern.

TEAM23: Noch eine kurze Frage zum Schluss: Welches Tool benutzt du am meisten?

Vitaly: Meistens benutzen wir Sketch. Wir versuchen aber auch gerade auf Figma umzusteigen. Aktuell schauen wir, was wir alles damit machen können. Figma, Sketch, Adobe XD: mit all den Tools lassen sich Webseiten deutlich schneller entwickeln als etwa in Photoshop. Da bin ich mal gespannt, was als nächstes kommt.

TEAM23: Dann halten wir dich nicht länger auf. Vielen Dank Vitaly für das interessante Interview und viel Erfolg und Spaß heute noch auf der Smashing Conference.